NOFX waren schon immer meine Hassliebe, mit einerseits den besten Alben, andererseits arroganten Live-Auftritten, wie bei den Hard Pop Days in Bremen; wahrscheinlich 1997. In dem Buch von NOFX & Alulis (2016) wird diese Einschätzung völlig bestätigt.
Es ist in kurze Abschnitte unterteilt, in denen die Band-Mitglieder abwechselnd ihre Erinnerungen wiedergeben. Das macht es sehr leicht zu lesen. Auch die Ehemaligen kommen zu Wort.
Die ersten Jahre werden als sehr dilettantisch dargestellt mit einer Ausrichtung im Hardcore wie auf Liberal Animation. In den Achtzigern war die kalifornische Punk-Szene sehr gewalttätig. Drogen waren alltäglich, wobei Smelly zu dieser Zeit heroinabhängig war. Fat Mike war zu der Zeit am vernünftigsten, da er nur einzelne Tage hauptsächlich Alkohol getrunken hat. Trotzdem wird Smelly zu dieser Zeit als der einzig gute Musiker in NOFX beschrieben. Unklar bleibt, wie sie es trotz der mangelnden Qualität geschafft haben, sich in der Punk-Szene durchzusetzen.
Als Wendepunkt wird Suffer von Bad Religion bezeichnet, auf dem erstmals eher melodischer Hardcore gespielt wurde. So ist S&M Airlines, das Fat Mike als erstes echtes NOFX-Album sieht, auch deutlich von Suffer beeinflusst.
1992 ging Smelly auf Entzug und ist seitdem clean. Allerdings nicht ohne vorher im Rolling Stone Magazin mit einem Foto, auf dem er sich einen Schuss setzt, zu erscheinen. In der Zeit ist auch El Hefe zur Band gestoßen und sie haben ihre bis heute aktuelle Besetzung gefunden. Hefe brachte neben der Trompete auch sonst die besten musikalischen Fähigkeiten in die Band ein. So zeigte er ihnen erst, wie die Instrumente richtig gestimmt werden. Danach haben sie mit White Trash, Two Heebs and a Bean und Punk in Drublic absolute Hammeralben aufgenommen.
In den 90ern hat der Drogenkonsum insbesondere von Fat Mike zugenommen, wobei Smelly nüchtern zugucken musste, da er sich keinen Rückfall mehr leisten kann. Mike und Melvin haben auch live auf der Bühne Lines gezogen in einer Zeit, als es üblich war, dass sie das Publikum betrunken beschimpften. Diese Einschätzung deckt sich mit unseren Hard Pop Days Erfahrungen.
Danach habe ich NOFX lange nicht verfolgt. Nach der Wahl von George W. Bush hat inbesondere Fat Mike die Kampagne Rock Against Bush gestartet und sie haben mit The War on Errorism eine sehr eindeutige Scheibe veröffentlicht. Allein wegen des Titels heute ein absolutes Lieblingsalbum. Außerdem erwähnenswert sind die zwei Folgen Backstage Passport, in denen NOFX durch eher ungewöhnliche Länder wie Singapur, China, Israel und andere touren.
In dem Buch wird deutlich, dass der Song 60% die Einstellung von NOFX wiedergibt. Es gehört zu ihrem Punk-Ethos, ihren Job nicht immer Ernst zu nehmen; mit den erläuterten Ausfällen auf der Bühne. Will man NOFX live sehen, kann man erwarten beschimpft zu werden.
Persönlich kommen Melvin und Hefe recht normal rüber, wobei Hefe zugibt, gar kein echter Punk zu sein. Fat Mike hingegen lebt seine diversen Fetische aus. Als Cokie the Clown hat er auch live Getränke im Publikum verteilt, nach dem Konzert aber auf Leinwand gezeigt, wie er vorher in die Flasche gepisst hat. Das hat zurecht Empörung ausgelöst und für einen medialen Aufschrei gesorgt. Erst Monate später wurde aufgelöst, dass die Situation gestellt war. Das hat natürlich kein solches Echo mehr ausgelöst. Am interessantesten sind aber Smellys Erfahrungen als Ex-Junkie, welch ein Idiot er unter Drogen war, welches Glück er hatte, das überlebt zu haben, und wie es sich als Ex-Junkie in einer drogenverherrlichenden Band aushalten lässt. Er hat eine Patenschaft für die Tochter einer drogenabhängigen Mutter übernommen und führt mit ihr heute ein glückliches Familienleben.
Man muss NOFX nicht mögen; das wollen die gar nicht. Ich allerdings mag zumindest ihre Musik. Lieblingslieder: The Irrationality of Rationality, She’s Gone, Kill All the White Man oder doch lieber Party Enema?
Literatur
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